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Über Wetzsteine und Kumpfe

Wetzsteine zum Abziehen des Sensenblatts haben nahezu alle eine ähnliche Form und Größe.
Ebenso wie bei der heutigen Form der Sense, hat sich wohl auch ihre Form im Laufe der Zeit als die praxistauglichste herausentwickelt.
Sie liegen einerseits gut in der Hand und schauen andererseits oben weit genug heraus, um damit flink und ohne Verletzungsgefahr die Schneide bestreichen zu können. Alle haben sie den typischen Winkel der beiden Flanken zueinander.

Was allerdings ihre Eigenschaften angeht, so gibt es wichtige Unterschiede.
Es gibt
--- Natursteine und Kunststeine,
--- Harte bis weiche Steine,
--- Grobe bis feine Steine,
--- und verschiedene Kombinationen daraus.

Welcher Stein ist nun für welchen Zweck, bzw. welchen Stein brauche ich für einen bestimmten Zweck? - So unübersichtlich, wie es jetzt den Eindruck hat, ist die Sache mit den Wetzsteinen aber nicht.

--- Natursteine und Kunststeine:

Natursteine die als Sensenwetzstein taugen, sind in der Regel Sandsteine (auch Kalk- oder Schiefersteine), in denen eine günstige schleiffähige (abrasive) Körnung von Natur aus eingebettet ist.
Die Körnchen, also die eigentlichen Schleifkörper, müssen ausreichend hart und scharf sein und eine gewünschte, gleichmäßige Korngröße aufweisen. Der Stein soll keine Störstoffe enthalten und seine Bindekraft soll eine minimale Absandung erlauben.

Über Jahrhunderte wurden solche Natursteine regional in entsprechenden Steinbrüchen gewonnen und durch spalten und zuschlagen/zuschleifen in Form gebracht. Auch heute noch werden in einzelnen dieser Regionen mit solchen Vorkommen Wetzsteine produziert und auf den Markt gebracht.
Natursteine zum Wetzen sind meist hart und relativ feinkörnig
.

Kunststeine bestehen in der Regel aus einer Mischung von keramischen Binde-Komponenten (Ton, u.A.) mit entsprechenden Schleifkörpern darin (Siliciumcarbid, Korund). Diese Mischung wird in Form gebracht und im Ofen gebrannt.

Die Qualität von Kunst-Wetzsteinen hängt einmal davon ab, welche und wieviel abrasive Stoffe enthalten und ob diese gleichmäßig verteilt sind.
Zum anderen soll die Art der Bindung die Schleifkörnchen einerseits zum Schleifen gut festhalten, sie aber andererseits auch ausbrechen lassen, wenn sie stumpf sind, damit neue scharfe Körnchen darunter frei werden.
Der Feinheitsgrad des Wetzsteins wird durch die gewählte Korngröße der Schleifkörper bestimmt, und die Härte durch die Wahl/Mischung des Bindestoffes, bzw. durch die Brenntemperatur.
Kunststeine gibt es von weich bis hart und von grob bis fein.

--- Härte von Wetzsteinen:

Weiche Wetzsteine verbrauchen sich durch Benutzung schneller als harte. Ihr Bindemedium hält die Schleifkörnchen weniger gut fest, und durch das Reiben am Stahl der Schneide brechen die Körnchen leichter aus dem Steinkörper heraus.
Das kann einerseits an schlechter Qualität liegen, wo die Kunststeinmischung zu viele Schleifkörnchen bei zu wenig Bindemittel bekommen hat. Andererseits aber kann es auch Absicht sein, weil solche Steine oft schärfer, also abtragsfähiger sind.

Weichere Wetzsteine werden dort gebraucht, wo kein vernünftiger Dangel an der Schneidkante vorhanden ist. Mit ihnen lassen sich auch ziemlich abgewetzte Sensenblätter, bzw. Blätter für groberen Einsatz (Staudensensen, etc.) kurzzeitig scharf bekommen.

Auch für Anfänger in der Dengeltechnik sind sie brauchbarer, als harte Steine, weil ein schlecht gedengeltes Blatt mit ihnen schärfer wird.
Auch um das Sensenblatt trocken zu wetzen sind weiche Steine besser, da sich auf ihnen weniger Schleif-Abrieb oder anderer schleifmindernder Schmodder ansammeln kann.
Wer aber sein gut gedengeltes Blatt mit ihnen wetzt, verschwendet Dengelzeit und das Metall seiner Schneide.

Harte Wetzsteine verbrauchen sich sehr langsam, weil die feinen Körnchen vom Bindemittel lange festgehalten werden. Dadurch sind harte Steine auch weniger scharf als weiche Steine.
Harte Steine von schlechter Qualität besitzen in der Materialmischung zu wenige Schleifkörner bei zu viel Bindemittel.
Es können fast keine Schleifkörner ausbrechen, bzw. wenn sie ausbrechen, legen sie statt neuer Körner überwiegend Bindemittel frei. Sie nutzen sich allmählich bis auf eine Ebene mit dem Bindemittel ab, bis dann die Arbeitsfläche des Steins glänzt und kaum noch Schleifwirkung erbringt.

Harte Steine von guter Qualität sind hier feiner abgestimmt. Auch bei ihnen werden die Schleifkörnchen festgehalten, bis sie nicht mehr sehr viel Schärfe besitzen und fast ganz zerbröselt sind. Doch neben ihnen treten direkt neue, noch scharfe Körnchen an die Oberfläche.

Gute harte Steine sind ideal, um gut gedengelte Blätter mit dünnem Dangel zu wetzen.
An diesem müssen sie vom Metall nämlich kaum etwas wegnehmen, sondern die papierdünne Schneidkante eher wieder gerade ziehen und aufrichten.
Hier: Die wahre Schärfe, das haben wir weiter vorne gesehen, kommt vom richtigen Dengeln, und der richtige Wetzstein unterstützt das nur.
Er soll keinesfalls der Feind des Dangels sein, indem er ihn zu rasch zum Verschwinden bringt, - es wäre doch schade um die Dengelarbeit, die wir uns gemacht haben.

Allerdings sind Leute, die gut dengeln können, derzeit rar gesäht, und deshalb werden harte Wetzsteine kaum gebraucht. Anfänger in der Dengel- und Sensentechnik kommen mit ihnen weniger gut zurecht.

Doch auch wer einen guten Dangel klopfen kann, aber nicht dazu kommt, ihn rechtzeitig zu erneuern, bzw. wer den notwendigen Dengeldurchgang vor sich her schiebt und weiter mäht, braucht irgendwann einen weicheren Stein, weil sein Blatt nur durch erhöhten Abrieb beiderseits der Schneide noch scharf wird.

--- Feine und grobe Körnung:

Dass Wetzsteine mit feiner Körnung weniger Metall an der Schneide abtragen, als solche mit grober Körnung, dürfte jedem bewusst sein.
Deshalb gilt hier in der Regel: Je besser der Dangel, desto feiner sollte der Wetzstein sein, und natürlich umgekehrt.

Ein dünner Dangel braucht nur minimalen Abrieb, um wieder richtig scharf zu sein, während ein abgewetzter Dangel, d. h. ein Sensenblatt, bei dem nur noch der dickere Riefen die vordere Schneidkante bildet, auf beiden Seiten ordentlich abgeschliffen werden muss, damit vorne wieder Schärfe entsteht.

Ein weiterer Unterschied zwischen dem Wetzen mit feinem und mit grobem Stein ist die formende Wirkung auf die vorderste Kante der Schneide und was das beim Mähen ausmacht.

Wir müssen uns vorstellen, wir würden die Schneidkante unter dem Mikroskop betrachten. Es würde uns auffallen, dass die Schneide eines scharfen Sensenblatts gar nicht der eines Rasiermessers, sondern eher der einer Säge ähnlich sieht.

Beim Rasiermesser ist die Schneide möglichst glatt und ohne Zähne. Genau genommen schneidet es auch nicht die Barthaare, sondern gleitet auf der Haut, drückt senkrecht gegen die Haare und kappt sie an der Basis regelrecht.
Würde man mit einem Rasiermesser schneidende Bewegungen machen, würde die Klinge sofort in die Haut eindringen. Deshalb muss ein Rasiermesser auch deutlich schärfer sein, als jedes Messer zum Schneiden.

Eine Säge dagegen schneidet nur, wenn sie mit ziehender Bewegung am zu schneidenden Objekt entlang gleitet. Die Sägezähne durchtrennen dabei das Objekt, indem sie eine feine Lücke hineinraspeln.

Bei einem Sensenblatt ist es ebenso, nur dass hier die Zähne nicht mit bloßem Auge zu sehen sind. Sie entstehen, wenn der Wetzstein im schrägen Winkel zur Schneide, mal auf der einen, mal auf der anderen Seite entlang streicht. Dabei kratzen die einzelnen Schleifkörnchen mikroskopisch feine Rillen aus dem Stahl, die vorne an der Schneidkante auslaufen und dazwischen winzige Zähnchen stehen bleiben.

Bei Wetzbewegungen schräg zur Spitze hin (was der gängigen Empfehlung routinierter Senser entspricht), sind diese Zähnchen zur Spitze hin ausgerichtet, Ebenso ist es im Großen etwa bei der Handsäge eines Schreiners, die auf Schub sägt. Deren Zähne zeigen auch nach vorne.

Wenn man nun fragt, was für das Mähen denn nun besser ist, größere Zähnchen, verursacht von groben Wetzsteinen oder kleinere Zähnchen, verursacht von feinen Wetzsteinen, lässt sich wiederum antworten:
Es kommt darauf an
.
Auf jeden Fall:
Je dünner der Dangel und je zarter der zu mähende Aufwuchs, desto feiner soll der Wetzstein sein und umgekehrt.

Hier, kein Wetzstein, aber auch zum Wetzen der Sense: Der Sensenstreicher. Er hat etwa die doppelte Länge eines Wetzsteins.

Er ist grobkörniger als jeder Wetzstein.
Beim Sensenstreicher wird eine kunstharzgebundene Schleifkornmischung beidseitig auf eine Holzleiste aufgebracht.
Er ist bestimmt zum Wetzen von Sensenblättern ohne Dangel, also recht stumpfwinkligen Schneiden und nimmt sehr viel Material weg.
Er passt zu Schleifsensenblättern und Blättern zum Mähen von holzigem Aufwuchs (Heide-, Forstkultursense) und wird ausschließlich trocken verwendet.
Weil er relativ große Zähnchen an der Schneidenkante erzeugt, könnte man fast sagen: Er macht aus der Sense eine Säge.

--- Kombinationen, hart bis weich, grob bis fein

Letztendlich gibt es für die verschiedenen Einsatzbereiche der Sense, für die jeweiligen Arten des Aufwuchses und für Sensenblätter unterschiedlicher Robustheit natürlich ganz unterschiedliche Empfehlungen.
Die Frage, welcher Wetzstein gerade am günstigsten ist, kann nicht eindeutig beantwortet werden. Zudem sind Wetzsteine im Handel meist auch nicht eindeutig definiert, was ihre Härte und Feinheit und auch was ihre Qualität angeht.

Am besten ist, sofern man regelmäßig mit der Sense mäht, man hat verschiedene Wetzsteine zur Hand und probiert aus, wie sich damit arbeiten lässt.

Soviel lässt sich vielleicht sagen:
-- Wer regelmäßig dengelt und auch einen guten Dangel hinbekommt, um zartes bis normales Gras zu mähen, braucht einen etwas härteren und feinen bis mittelfeinen Stein.
--
Wer älteres Gras mit Stauden dazwischen mäht und dessen Dangel weniger zart ist, braucht einen harten bis weicheren Stein und je nach Abnutzung der Schneide von mittelfein bis etwas grober.
-- Wer eine Heidesense oder eine sonstige Schleifsense gebraucht (Schleifsensen werden nicht gedengelt) und holzigen Aufwuchs beseitigen will, braucht einen groben und mittelharten Stein.
-- Und wer etwa Rasen mähen will und einen papierdünnen Dangel geklopft hat, braucht einen sehr feinen Stein, der nicht zu weich sein soll.

--- Nass oder trocken wetzen:

Die Sense mit dem trockenen Stein zu wetzen, hat natürlich den Vorteil, dass man auf einen Kumpf oder Wetzsteinbecher verzichten kann. Man braucht auch kein Wasser dabei zu haben und kann den Stein in die Hosentasche stecken.

Trotzdem, in den meisten Fällen, das heißt wenn Gras gemäht werden soll, ist es besser, wenn der Stein im Wasser steht. Die Schleifkörnchen an der Oberfläche des Steins können so nicht mit Metallabrieb, Grasmasch und eventuellen Erd- und Lehmresten zugesetzt werden.

Vor allem bei mittleren bis feinen Wetzsteinen beeinträchtigt eine solche Pampe entscheidend die Schleifwirkung. Man hat dann beim Wetzen das Gefühl, der Stein wäre stumpfer und drückt unwillkürlich stärker auf das Metall.
Dadurch aber brechen mehr Schleifkörnchen ab und der Stein wird noch stumpfer.

An einem Stein aber, dessen Schleiffläche im Wasser steht, löst sich diese Pampe und bleibt im Wasser, bzw. sie wird so dünnflüssig, dass sie keine verstopfende Wirkung mehr besitzt.
Wenn die feinen Schleifkörner sauber sind, kommt einem das Wetzen deutlich direkter vor. Es lässt sich besser dosieren und auf Druck mit dem Stein kann weitgehend verzichtet werden.

Harte feinere Steine müssen immer mit Wasser verwendet werden.
Bei weichen Steinen, die ohnehin stärker absanden, wirkt sich der Abrieb weniger tragisch aus, da er teilweise beim Wetzen mit abfällt. Doch wenn man mit weichen Steinen stärker aufdrückt, nutzen diese sich sehr viel schneller ab.
Also: Beim mähen von normalem Gras möglichst immer nass wetzen.

Als Regel könnte man formulieren: Hat man einen dünnen Dangel geklopft und wetzt mit eher harten und feinen Steinen, tut man sich keinen Gefallen, wenn man trocken wetzt. Das Mähergebnis ist schlechter, es macht weniger Spaß, weil die Schärfe fehlt und man kostet seine Dengelarbeit nicht voll aus.
Wer dagegen vielleicht schnell mal ein paar wenige Quadratmeter frei machen oder die Brennnesseln entfernen will, der kann natürlich auch trocken wetzen. Wer aber saftiges Gras mähen will und in die Fläche geht, braucht seinen Kumpf mit Wasser drin.

--- Kumpfe, Wetzsteinbecher

Solche Wetzsteinbecher kann man kaufen. Sie sind aus Zinkblech, verzinktem, lackiertem Blech, Kupferblech oder aus Kunststoff. Sie haben in der Regel einen Metallbügel, den man im Gürtel einhängen kann.
Wer in der Fläche mäht, trägt seinen wassergefüllten Kumpf am besten immer bei sich. (- Aufpassen beim Bücken: Schnell kann einem das Wasser auf den Rücken laufen)

Wer nur wenig mäht oder wer noch übt, kann den Wetzsteinbecher auch in seiner Nähe in den Boden stecken, sofern dieser unten eine Spitze oder Kante dafür hat. (- Fällt der Kumpf um, läuft das Wasser aus, und wer dann keines in der Flasche dabei hat, muss sich auf den Weg zum nächsten Wasserhahn/ zur nächsten Regentonne machen).

Wenn man keinen Kumpf zur Hand hat, kann man sich auch mit geeigneten Plastikgefäßen aus dem gelben Sack behelfen.
Hier auf dem Foto eine abgeschnittene Spülmittelflasche aus PE, mit dem Heißluftföhn etwas in Form gebracht und eine Ketchup-Flasche mit Gürtelhaken aus zurechtgebogenem Kleiderbügel.

Auch Friedhofsvasen geben brauchbare und preisgünstige Kumpfe ab, weniger für an den Gürtel, aber gut zum In-den-Boden-stecken.

Bei den Größeren (oberer Rand ist hier abgeschnitten) passen auch zwei Wetzsteine hinein, ein gröberer und ein feiner, diese Kombination ist in einigen Mähsituationen recht hilfreich.

Zur Not könnte man an solchen Grabvasen mit Nieten auch einen Metallbügel befestigen.

Richtig wetzen - Fehler beim Wetzen

Die Bedeutung des richtigen Wetzens wird von vielen Leuten unterschätzt.
Falsches Wetzen hat nicht nur zur Folge, dass eine Schneide nicht scharf wird, sondern es kann eine ursprünglich scharfe Schneide regelrecht stumpf machen.
Wer nicht bemerkt, dass er falsch wetzt, ist womöglich ebenso enttäuscht vom Sensenmähen, wie jemand, der die Bedeutung des Dengelns nicht kennt.

Folgende Dinge gilt es zu beachten:

--- Stellung Wetzstein zur Blattfläche:

Gewetzt wir immer mit einer Schmalseite des Wetzsteins, niemals mit der breiten Seite.
Auch wird immer mit der vollen Schmalseite gewetzt und niemals mit einer Kante.
Das heißt: Die breite Seite des Steins steht im Winkel von 90 Grad zur Blattfläche.

--- Seitenwechsel beim Wetzen:

Das Wetzen eines Sensenblatts ist aus mehreren kleineren Wetzschwüngen mit dem Stein zusammengesetzt, die einmal immer nur etwa 10 bis 15 cm der Schneide bestreichen und stets abwechselnd, mal auf der Blattoberseite, mal auf der Unterseite geführt werden.
Je länger das Blatt, umso mehr dieser Schwünge und Seitenwechsel werden ausgeführt.

--- Wetzrichtung:

Wie weiter vorne schon erwähnt sollte man den Wetzstein in Richtung der Spitze des Sensenblatts bewegen. Jedes Streichen mit dem Stein, leicht schräg nach unten an der Schneide entlang, kratzt mikroskopisch feine Rillen in den Stahl.
Weil diese von beiden Seiten auf die Schneidkante auslaufen, entstehen dort kleinste Spitzchen, ähnlich den Zähnen eines Sägeblatts.
Diese Zähne haben eine bessere Schneidwirkung im Mähgut, wenn die leicht nach vorne zur Spitze hin geformt sind (wiederum ähnlich eines Sägeblatts, das auf Schub sägt).

--- Handbewegung beim Wetzen, der Scheibenwischer-Schwung:

Die beiden Zeichnungen oben zeigen die zwei häufigsten Arten, wie man sein Blatt während der Arbeit wetzen kann, bzw. sie zeigen die zwei möglichen Bewegungsabläufe der Hand, die den Wetzstein hält.
Nicht im Bild zu sehen: Die Sense wurde vorher umgedreht und auf den Sensenbaum gestellt, und die linke Hand hält sie am Blattrücken fest. (Für Linkshänder das Ganze umgekehrt gesehen).

Auf dem linken Bild zeigt die Blattspitze nach links. Wir schauen auf die Blatt-Oberseite und sehen den Blattrücken und den Dangel.
Der richtige Bewegungsablauf beginnt damit, dass der Stein fast senkrecht zur Schneide und mit ganz leichtem Druck an diese gehalten wird.
Wichtig ist
, dass er nur fast senkrecht dazu steht. Damit ist gewährleistet, dass der Stein nicht gegen die Schneide schleift, sondern nach schräg unten von ihr weg.

Auf dem rechten Bild wird die Sense anders herum gehalten. Die Blattspitze zeigt nach rechts und wir schauen auf die Blattunterseite (Blattrücken und Dangel sind von uns abgewandt). Der Bewegungsablauf geschieht hier spiegelbildlich zu dem im linken Bild.

Im linken Bild kippt die Hand den Wetzstein aus der Fast-Senkrechten schräg nach links unten, also in Richtung der Handfläche, bis er den Kontakt zur Schneide verliert.
Im rechten Bild
wird die gleiche Bewegung nach rechts ausgeführt, also in Richtung des Handrückens.

Ich habe nun die beiden Zeichnungen oben bewusst so angeordnet, weil sie zusammen an die Winsschutzscheibe eines Autos erinnern, auf der sich die Scheibenwischer bewegen.

In der Tat ist es so, dass die richtige Bewegung des Wetzsteins der Bewegung eines normalen Scheibenwischers sehr ähnlich ist.
Wenn man sich dies merkt, und die meisten von uns haben Scheibenwischer alle paar Tage direkt vor Augen, kann man den richtigen Bewegungsablauf zum Wetzen des Sensenblatts leichter lernen.

Im Unterschied zum Scheibenwischer aber, der immer in der gleichen Ebene bleibt, wechselt der Wetzstein von der einen Sensenblattseite zur anderen.
Wie oben schon erwähnt, bestreicht er mal die Oberseite des Blattes, dann die Unterseite und hin und her immer in diesem Wechsel.
Auf beiden Seiten vollführt er die gleiche Kipp-Bewegung aus der Fast-Senkrechten nach schräg unten in Richtung der Blattspitze. Sobald er nach einer solchen Kipp-Bewegung den Kontakt zur Schneide verliert wird er sofort auf der anderen Seite wieder in die Fast-Senkrechte aufgestellt und an die Schneide geführt, und die Bewegung beginnt erneut.

Achtung: Denkbar wäre auch, statt dieser Schwünge ähnlich eines Scheibenwischers, eine Wetzsteinführung in parallelen Linien zur Schneide auszuführen.
Dies ist jedoch keine Alternative und nicht empfehlenswert.

- Erstens ist die Gefahr recht groß, dass man doch gegen die Schneidkante fährt und sie dabei stumpf macht.
- Zweitens werden beim Parallel-Wetzen weniger bis keine der feinen Zähnchen ausgebildet, die für gutes Schneiden von Vorteil sind.
- Drittens ist die Verletzungsgefahr deutlich höher, weil die Hand nicht von der Schneide weg bewegt wird und die Bewegung auch nicht aus Hand- oder Ellenbogengelenk heraus als Drehbewegung geschieht.
- Viertens leidet der Wetzstein bei dieser Behandlung, weil nicht die volle Halbseite (Steinmitte bis Ende) schleift und abgenutzt wird, sondern nur ein kleiner Bereich in der Mitte dieser Halbseite.
Dort frisst sich dann allmählich eine Bucht hinein und der Wetzstein erinnert an die Form eines Entenschnabels.

Hier auf dem Bild vier alte und stark benutzte Wetzsteine.
Der obere
wurde richtig eingesetzt, das sieht man ihm an. Seine vier Schleifflächen (jeweils von der Steinmitte bis zum Ende gesehen), nutzen sich zwar allmählich ab, aber der Stein behält seine Form. Der Wetzstein wird über die Jahre nur kürzer und schmaler.

Mit den beiden unteren dagegen ist parallel zur Schneide gewetzt worden. Sie haben eine Entenschnabel-Form bekommen.
Unterhalb der Spitzen sind deutliche Buchten entstanden, die dann noch einen weiteren Nachteil begünstigen:
- Fünftens kann mit einem solchen Stein der spitze Winkel zum Dangel nicht mehr eingehalten werden (- Siehe weiter unten -).
Jenachdem, welche Stelle der buchtigen Wetzsteinkante gerade anliegt, ist trotz richtiger Handhaltung der Schleifwinkel mal spitz und mal stumpf.

Meist bricht an solchen Steinen irgendwann eine der Spitzen ab und sie sind dann zu kurz zum Wetzen. Dass auch unsere Vorfahren nicht immer Könner in der Sensentechnik waren, kann man an diesen alten Wetzsteinen heute noch sehr schön erkennen.

Bleiben wir also bei den Wetzsteinschwüngen, die der Bewegung eines Scheibenwischers ähneln.
Welche der beiden Wetzrichtungen wir wählen, ob nach links oder nach rechts, bleibt dabei Geschmackssache. Wie man es am besten hinkriegt, so soll man es machen.
Auch: Ob die Bewegung dabei nur locker aus dem Handgelenk kommt, oder ob der Unterarm beteiligt ist, ist ebenfalls nicht wichtig, wenn das Ergebnis stimmt.

Auf einen Unterschied zwischen den beiden Richtungen sei vielleicht noch hingewiesen:
Zum Wetzen sollten wir die Sense immer so vor uns hinstellen, dass das Sensenblatt (in Querrichtung des Korpus, besser gesagt in der Richtung der Schneide ganz vorne am Korpus, - siehe Zeichnungen unten) senkrecht steht.
So muss die Hand beim Wetzen nicht für die eine Seite stärker verdreht werden, und der flinke Wechsel von einer Blattseite auf die andere gelingt am besten.

Weil aber diese Querrichtung des Blattes etwa in einem Winkel von 30 Grad zum Sensenbaum steht (siehe Beschreibung zu Sensenblatt), ragt der Baum bei der Wetzbewegung im linken Bild rechts an uns vorbei nach schräg hinten und könnte hinderlich sein.
Bei der Variante rechts im Bild (Blattspitze ist rechts) zeigt er dagegen von uns weg und könnte weniger stören. - Ausprobieren!

Eine dritte Variante, um das Blatt während des Wetzens zu halten wäre, es mit der Hammenseite in die linke Ellenbogenbeuge zu legen, während der linke Unterarm am Blattrücken entlang liegt und die Hand es festhält. Gewetzt wird dann aus der Beuge heraus ebenfalls vom Bart zur Spitze des Blattes.

--- Neigungswinkel Wetzstein zur Schneide:

Neben dem richtigen Bewegungsablauf ist auch die Einhaltung des richtigen Neigungswinkel des Wetzsteins zur Querlinie des Blattes enorm wichtig (genaugenommen zur gedachten Linie, in der der Dangel steht, - siehe Zeichnung unten).
Stimmt dieser Winkel nicht, sowohl auf der einen als auch der anderen Seite, wird das Blatt regelrecht stumpf gewetzt.

Die Zeichnung verdeutlicht dies. Oben ist das Sensenblatt im Querschnitt zu sehen.
Die lang gestrichelte Linie in der Mitte zeigt die Richtung des Dangels, also die Richtung des Teils der Schneide, das wir mit dem Stein bearbeiten. (Die gewölbte Form des Sensenblatt-Korpus darüber, braucht uns hier nicht zu interessieren).

Die Positionen 1 und 2 des Wetzsteins zeigen die abwechselnden Wetzbewegungen einmal auf der einen Seite, mal auf der anderen.
Um zu verdeutlichen, in welchem Winkel der Dangel infolge der dargestellten Neigungen des Wetzsteins letztendlich geschliffen wird, habe ich hier die fein gestrichelten Linien eingezeichnet.
Man sieht: D
ie am Dangel anliegenden Flächen des Wetzsteins stehen in einem viel zu stumpfen Winkel zueinander, hier etwa 35 Grad.
Exakt diesen Winkel bekommt beim Wetzen auch der Dangel.

Hier die Position 1 aus der Zeichnung als Foto (Blattunterseite):
Der Stein bewegt sich im viel zu stumpfen Winkel an der Schneide entlang und schleift ihr die schärfste Kante weg.

Wetzstein in Position 2:
Ebenfalls viel zu stumpfer Winkel. So verliert man wesentlich schneller seinen Dangel, als es nötig wäre. - Schade um die investierte Dengelzeit und um den Stahl des Blattes.

Bei schmalen Sensenblättern, wie hier im Foto, verbietet sich sogar das Entlangrutschen des Steins am Blattrücken, weil dies verhindert, einen spitzeren Winkel mit der Wetzsteinseite zur Schneide einnehmen zu können.

Selbst wenn gut gedengelt wurde und der Dangel war ursprünglich sehr viel spitzwinkliger, bekommt er durch Bearbeitung mit dieser X-förmigen Wetzstein-Stellung seinen günstigen Winkel schnell geraubt.
Das Blatt mag einem direkt nach dem Wetzen vielleicht sogar scharf vorkommen, doch es "steht" nur einen Bruchteil der Zeit, wie wenn der Dangel den richtigen Winkel behalten hätte.

Hier wird der richtige Winkel eingehalten. Die fein gestrichelten Linien unten (Gegenwinkel des Dangels) verdeutlichen dies. Der Winkel hat hier weniger als 10 Grad.

So sieht dies in Natura aus, Position 1, Blattunterseite: Die Wetzstein-Schmalseite steht hier zum untersten Zentimeter der Blattoberfläche nahezu parallel.

Ebenso hier (Position 2), Blattoberseite: Der Stein bleibt bei diesem schmalen Korpus unter dem Blattrücken, um parallel zum kompletten Riefen bewegt werden zu können.

Man sollte sich angewöhnen, den Wetzstein so knapp es geht zu halten.
Wenn möglichst viel des Steins oben heraus steht, behält die Hand immer einen ausreichenden Sicherheitsabstand von der Schneide. Bei den richtigen Wetzbewegungen muss die Hand auch nicht auf die Schneide zu bewegt werden.



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